Die Gefangenen erlösen
Tv.o-e? leibliche Werk der Barmherzigkeit leg¬
ten sich zwei Gmünder Geistliche auf eicenar-
. ? e Weise zurecht. Von ihnen erzählt unser
Gmünder Chronist Dominikus Dehler. Der erste
dieser sonderbaren Menschenfreunde war Johann
Kaspar Zit gier, ein Sohn des Handelsmanns Jo¬
sef Ziegler. Schon bald nach seiner Priesterweihe
zeigten sich bei ihm geistige Störungen, so daß er
r'it dem Leben nicht mehr fertig werden konnte
Vor allem fühlte er sich eines Priesters un
w.:rdig und war überängstlich in der Ausübung
.. ->cs Berufes. Um seiner inneren Nöte ledig zu
werden, meldete er sich bei einem preußischen
V orher als Soldat Er machte aber seinem Regi-
- -i keine große Freude, und es blieb nichts an-
-ores übrig, als ihn wieder zu entlassen. Er trieb
-un in Gmünd ohne eine bestimmte Beschäfti-
; r bald dieses bald jenes. Da er gänzlich
'' war, hatte er bei jedermann Zutritt.
' :n> erfuhr er, daß ein Schwerverbrecher im
r.obitunn sitze und nun wohl bald zum Tode
hinausgeführt werde. Ziegler beschloß nun, die¬
sen Gefangenen zu befreien. Der Wärter übergab
ihm bedenkenlos die Schlüssel zum Gefängnis,
da er annahm, Ziegler wolle den Gefangenen auf
den Tod vorbefeiten. Beim Verlassen des Ge¬
fängnisses nahm Ziegler den armen Sünder un¬
ter seinen Mantel und schlich so die Treppe hin¬
unter. Beinahe wäre die Sache gelungen. Auf der
untersten Stufe jedoch fing der Gefangene zu
wimmern an, weil ihn sein Befreier zu sehr ge¬
drückt hatte. Dies hörte der Wärter, und die
Sache war verraten.
Ziegler kam bald darauf als Pflegling in das
Spital, wo er in der oberen hinteren Pfründe 1768
gestorben ist
Mehr Glück mit seiner Gefangenenbefreiung
hatte der Franziskanerpater Pirome. Wenn es
irgendwie ging, half er, auch wenn die Mittel
nicht immer einwandfrei waren. Saß da einmal
der Lipp, ein armer Geldmacher, im Gefä-
und wußte, daß der Seiler schon den Strick für
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ihn r<Aro hl Katt*- Da öffnHr* «Ich die Türe, Pa¬
ter Pirome trat und wlnkWs dem Gefan¬
genen, ihm zu Unbemerkt xchlichen »ich
bHde zum Turm hinauf. Draußen itand ein
Schubkarren mit MM beladen. Pirome hieß den
Verbredier unter den Mi*t zu kriechen, führte
den Karren zum Stadttor hinauf und ließ den
Sünder springen. Di pp war gerettet Die Gmün¬
der sahen ihn nie wieder. Pirome aber eilte zum
Gefängnix zurück. Wie hatte er die Befraungf-
tat vollbringen können? — Das Weib des Gefäng-
Ti. v■ arters Geiger lag krank darnieder. Pirome
machte einen Besuch und steckte In einem unbe¬
wachten Augenblick den Gefängnisschlüssel zu
:.()). Dann schickte er den Ehemann in die Apo-
taeke, damit er für sein Weib einen Tee hole.
Die Abwesenheit des Wärters benützte Pirome,
den Gefangenen zu befreien. Als Geiger zurück¬
kam, hing der Schl ü.-j. sei an seinem alten Platz.
Pirome betete mit der Frau, und niemand hatte
auf ihn Verdacht. Lange hat man nicht gewußt,
cs dem Verbrecher gelungen war, die Frei¬
heit wiederzuerlangen.
Em andermal nahm er sich des Kaufmanns
B:ol<y an. Dessen Vater hatte es von Savoyen
nach Gmünd verschlagen, wo er die Wirtschaft
zur „Alten Krone“ (heute Marktplatz 24) kaufte.
De r Sohn wandte sich dem Handel zu, hatte aber
keinen Erfolg und mußte bald seinen Laden ver¬
kaufen. Als Furier bei ednem Werbekommando
schien er sein Glück zu machen. Da sich der
Reichtum aber zu langsam einstellte, wollte er
etwas nachhelfen, wurde aber bald wegen gro¬
ßer Unterschlagungen verhaftet. Auf dem Wege
7um Gefängnis gelang es ihm, zu den Franzlsßa-
zuentkommen. Da ihr Kloster me Frei-
statt war, durfte er nicht herausgeholt werden,
war also für den Augenblick gerettet. Wie aber
den Häschern entrinnen, die jeden Ausgang des
Kloster* belagerten? Da half wieder Pater Pi-
tome aus der Not. In seinem Ordensbruder Pater
Beda fand er einen willigen Helfer. Beide bega¬
ben sich nach Gotteszell und genehmigten sich
dort einen guten Trunk von dem Klosterbier.
Ais sie die Schenke verlassen hatten, stellte sich
Pater Pirome trunken und fiel der Länge nach
in den Klosterhof. Um Ärgernis zu vermeiden,
gab die Priorin den Auftrag, den angeblich be¬
trunkenen Pater in der geschlossenen Kloster¬
kutsche nach Gmünd hineinzuführen. Dort nö¬
tigte Pater Beda den Kutscher in die Küche und
ließ ihm für seine Mühe einen kleinen Imbiß
vorsetzen. Indessen aber ließ Pater Pirome den
Kaufmann Bioley unbemerkt in die Kutsche
schlüpfen, die bald darauf nach Gotteszell zurück¬
fuhr. Nich(t zur Freude der Priorin entstieg der
Kutsche ein gar seltsamer Reisender. Sofort ließ
man Pater Pirome sagen, er solle den Gefange¬
nen wieder abholen; denn Gotteszell wolle we¬
gen dieser Geschichte mit Gmünd keine Schere¬
reien. Allein Pirome meinte, nachdem er Bioley
glücklich zum Tor hinausgebracht habe, möge
das Kloster das Befreiungswerk vollenden. Was
wollte man tun? Das einfachste war, den
armen Teufel laufen zu lassen, und so machte
man es auch. Nach einiger Zeit kam Bioley wie¬
der nach Gmünd zurück. Das Werbekommando
war längst abgezogen, und da machte man die
Sache in Güte aus. A D
Zeitgeschehen August I960
1. August: Die Sportplatzanlage in Waldstetten
wird in Betrieb genommen, ebenso
die erweiterte Sportplatzanlage zu Alfdorf.
Der Friedhof in Eschach geht in den Besitz
der Gemeinde über.
4. August: Mit der Erneuerung der Augustinus¬
kirche in Gmünd wird begonnen.
18. August: Der „Zweckverband Rehgebirge“
wird gegründet. Er bezweckt vor allem die
Versorgung der Gemeinden Rechberg, Otten-
, .«««ulen und Donzdorf mit Lar
Rerhhp Sei Der BaU eines Hochbeh älters ai
Rechberg wird beschlossen
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Für die Redaktion; Albert Deibele, Schwäbisch Gmünd, Silcherstr. 3.
Beiträge sind
an Anschrift zu richte».